Master of Music. Oder: Kein Ende!

Als ich im Januar 2017 mein Amt als neuer Leiter der Lübecker Knabenkantorei antrat, verfügte ich noch nicht über einen Studienabschluss. Ich hatte zwar mein Bachelorstudium beendet, aber zum Abschluss fehlte noch die Bachelorarbeit. Nachdem ich diese berufsbegleitend im Sommer 2017 absolviert hatte, brauchte ich erst einmal ein Jahr, um mich voll und ganz auf den Berufseinstieg zu konzentrieren.

Doch schon 2018 stürzte ich mich erneut ins Studium: Ich wollte meine Ausbildung mit einem Master komplettieren. Aufgrund meiner Vollzeitstelle als Knabenchorleiter kam nur ein entsprechend berufsbetgleitend konzipierter Master in Betracht. Gerne hätte ich mich auch noch woanders umgesehen, aber tatsächlich fand sich nur in Dresden ein passender weiterbildender Master. Und so kehrte ich blockweise während des Semesters für kurze, aber intensive Bildungsausflüge an meine alte Hochschule zurück.

Zwei Jahre später hätte ich meiner musikalischen Hochschul-Ausbildung gerne einen fulminanten Schluss verpasst: Geplant war, dass wir mit der Knabenkantorei auf unserer Sommer-Konzertreise in Dresden Telemanns „Donner-Ode“ zur Aufführung bringen, gemeinsam mit dem Dresdner Barockorchester. Komplettiert worden wäre das Programm mit dem Titel „Sturmwind und Donnerwort“ u.a. von der Uraufführung der „Sturm-Kantate“ von Karsten Gundermann (a-cappella). Ein Programm zwischen Alter und zeitgenössicher Musik – ganz nach meinem Geschmack.

Aber es kam anders. Und so musste die Prüfung noch bis Oktober 2020 warten. Und dann auch noch ohne Chor. Nur zwei Klaviere, Pauken, Solisten und eine teilweise statt des Chores mit einstimmende Prüfungskommission. Als kleine Entschädigung für diese coronabedingten Einschränkungen durfte ich „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms dirigieren. Für mich ist das eines der bewegendsten und wichtigesten Werke der europäischen Musikgeschichte. Und wenn mich jemand zwingen würde, genau ein Werk als mein „Lieblingsstück“ zu bezeichnen, dann wäre dieses ganz weit oben auf der langen Liste der möglichen Kandidaten…

Es gäbe noch viel zu erzählen. Zum Besipiel darüber, wie mir diese Prüfung ohne Chor erst noch einmal deutlich gemacht hat, wie viel nonverbaler und musikalischer Austausch zwischen Dirigent und Chor in einer Aufführung erfolgt und wie sehr er fehlen kann. Oder darüber, was ich in meinen insgesamt sechs Jahren Musikstudium gelernt oder vermisst habe. Und über das, was ich aus diesesn Jahren nicht vermisse. Für heute sei nur so viel gesagt: Dass ich das Zeugnis meines sehr gelungenen Abschlusses nun in den Händen halten kann, fühlt sich gut an.

Ist es nun vorbei? Doppeltes Nein! Zunächst einmal lernt man sowieso nie aus. Das gilt für Leben, Handwerk und Wissenschaft ebenso wie für das Kunsthandwerk, zu dem ich die Musik gerne zähle (dazu später ein mal mehr). Es gibt noch so viel Chormusik zu entdecken. Noch so viele lehrreiche Erfahrungen im Umgang mit den Chorsängern zu machen. So viele Projektideen zu entwickeln und umzusetzen. Es gibt noch so viel zu scheitern und falsch zu machen. Und – viel wichtiger! – so viel, was man daraus lernen kann. Und da wird es sicherlich auch noch den einen oder anderen Erfolg geben, der natürlich der Lernmotivation auch nicht abträglich sein wird!

Für mich steht aber auch fest, dass es noch mehr als Musik gibt. Und viele Wissenschaften, die mit der Musik interagieren. Mich haben schon immer viele Themen interessiert und nach dem Abitur hätte ich mir auch viele andere Berufe neben der Musik vorstellen können. Besonders Psychologie interessiert mich, aber auch andere Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik. Was die Psychologie betrifft, so weist sie besonders viele interessante Schnittpunkte mit der Musik auf. Deshalb habe ich bereits begonnen, mich auch hier auf akademischen Niveau an der Fernuniverstität in Hagen weiterzubilden. Sicher werde ich davon noch mehr berichten.

Zu guter Letzt: Es gibt noch so viel zu lernen und zu entdecken. Ein Studienabschluss sollte dafür definitiv nicht das Ende sein. Für das ganze Leben gilt meiner Meinung nach: Augen und Ohren offen halten; offen und neugierig bleiben!

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