Über Musik reden! Oder: „Kein Ende!“

„Es wird so viel über Musik gesprochen und so wenig gesagt. Ich glaube überhaupt, die Worte reichen nicht hinzu, und fände ich, dass sie hinreichten, so würde ich am Ende keine Musik mehr machen.“ 
 – Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Der großartige Mendelssohn muss es gewusst haben – er, der die Menschen mit „Liedern ohne Worte“ rühren kann. Musik ist eine emotionale und persönliche Angelegenheit. Alle Menschen haben ihre ganz eigene Sicht auf sie. Und mir geht es wie Mendelssohn: Ich finde es sehr schwer, über Musik zu reden und bin gleichzeitig auch froh, dass die Musik meinen Verstand in gewisser Weise übersteigt (oder vielleicht auch eher „umgeht“). Diese „Unbegreiflichkeit“ macht für mich den besonderen Reiz der Musik aus!

Casting-Shows, große „Stars“ der Szene, das Musikstudium – sie alle können uns gelegentlich vormachen, es gäbe objektive Kriterien, Musik zu bewerten und damit auch über sie zu sprechen. Aber Musik ist keine Wissenschaft. Sicher, gewisse Aspekte sind wissenschaftlich erforschbar: Ihre Geschichte, ihre psychologische Wirkung, ihre Wirtschaftlichkeit etc. Aber bei der Frage nach „guter“ und „besserer“ Musik oder nach „der richtigen Interpretation“ ist Schluss mit Objektivität.

Natürlich besteht Musik auch aus Handwerk: Wenn wir uns z.B. auf bestimmte Kategorien wie „richtige Töne“ oder „exakter Rhythmus“ einigen, können wir zumindest ein stückweit die Güte einer musikalischen Aufführung beurteilen. Aber schon bei der „Balance im Ensemble“ werden die einen so und die anderen so hören und die nächsten finden einen exakten Rhythmus gar nicht so wichtig (oder in bestimmten Stilen gar falsch). Und ich persönlich finde richtige Töne sehr schön – kann mich aber auch von einer nicht ganz sauberen Ausführung mitreißen lassen, wenn andere Faktoren „stimmen“ (z.B. die Klangfarben!). Aber spätestens wenn auf das Handwerk die Kunst folgt – Übergänge natürlich fließend – bleibt das Reden über Musik beschränkt auf eine jeweils individuelle Sicht.

Gleichwohl habe ich mich entschieden, hier auf meiner Website über Musik zu reden. Und zwar über das Handwerk und die Kunst gleichermaßen. Warum? Indem wir uns – wohl wissend um die Einzigartigkeit unserer Musik-Erfahrung – über Musik austauschen, beugen wird dem oben erwähnten Fehlschluss vor, es gäbe nur „die eine“ – die eigene  – Wahrheit  über sie. Die Erkenntnis, dass die Bewertung von Musik sich am Ende einer Objektivität entzieht, impliziert ja nicht, dass wir unsere individuelle Wahrnehmung nur für uns behalten müssen. Denn im Austausch entwickeln wir uns und unseren Bezug zur Musik weiter. Wir nehmen Ideen auf, grenzen uns ab oder entdecken neue Aspekte. Und so will ich diesen Blog in doppelter Funktion nutzen: Als ein persönliches musikalisches Tagebuch auf der einen und zum Austausch von Ideen auf der anderen Seite. Dabei werde ich mich selbst weiterentwickeln, Einflüsse von außen aufnehmen und vielleicht im Gegenzug auch bei einigen anderen neue Impulse setzen können.

Zu dieser musikalischen Reise lade ich hiermit herzlich ein und freue mich auf den Austausch! Denn:

„Es ist des Lernens kein Ende!“
– Robert Schumann (1810-1856)

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